M. Ruzicka, Forschungsgebiete
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Verallgemeinerte Newtonsche Flüssigkeiten
Viele Flüssigkeiten, deren Verhalten nicht adäquat mit den
Navier-Stokes Gleichungen beschrieben werden kann, können als so
genannte verallgemeinerte Newtonsche Flüssigkeiten modelliert
werden. Die Untersuchung verschiedener Aspekte der aus diesem Ansatz
resultierenden Gleichungssysteme mit so genannter p-Struktur ist ein
Schwerpunkt meiner gegenwärtigen Forschung. Ein zentrales Problem ist
die Verbesserung der unteren Schranke für die Existenz schwacher
Lösungen. Auf Grund der verschiedenen Techniken, die in 5, 20, 43, 49, 50, 51 für die
stationären und instationären Gleichungen entwickelt wurden, konnte
in beiden Fällen die Existenz schwacher Lösungen für p > 2N/(N+2)
bewiesen werden. Diese Schranke ist optimal. Weitere qualitative
Eigenschaften der Lösungen wurden in 5, 8, 12, 27, 34, 43, 67
nachgewiesen. Analoge Resultate für Herschel-Bulkley Flüssigkeiten
und inhomogene verallgemeinerte Newtonsche Flüssigkeiten sind in 35, 44, 54 enthalten. Ein weiteres zentrales Thema ist
die Regularitätstheorie für Gleichungen mit p-Struktur. Befriedigende
Ergebnisse sind für verallgemeinerte Newtonsche Flüssigkeiten nur für
periodische Randbedingungen bekannt (cf. 12,
25, 34, 45). Im Falle von Dirichlet Randbedingungen
sind noch fundamentale Fragen offen, die aus der Divergenzbedingung
und der Abhängigkeit der Nichtlinearität vom symmetrischen Gradienten
resultieren. Bisher sind nur suboptimale Ergebnisse bekannt (52, 53). Auch im
Bereich der numerischen Analysis von Problemen mit p-Struktur sind
noch viele Fragen offen. Erste Resultate zu Konvergenzraten, die von
p abhängen, voll impliziter Orts-Zeitdiskretisierungen von Strömungen
verallgemeinerter Newtonscher Flüssigkeiten sind in 25 enthalten (cf. 30,
38 für Zeitdiskretisierungen). Hierbei ist
es ein zentrales Problem, ein geeignetes Maß für den Fehler zu
finden. Basierend auf Ideen aus der Variationsrechnung, der
Regularitätstheorie und der numerischen Analysis hat sich ein
"natürlicher Abstand" herauskristallisiert, der sich als das
angemessene Fehlermaß erweist (cf. 39, 40, 43, 45, 48, 60). In 40 und 48 konnten erstmals optimale, von $p$
unabhängige, Konvergenzraten bewiesen werden. Im Rahmen der DFG
Forschergruppe "Nonlinear Partial Differential Equations: Theoretical
and Numerical Analysis" wurde zusammen mit K. Siebert das
Softwarepaket ALBERTA um einen Löser für Strömungsprobleme
verallgemeinerter Newtonscher Flüssigkeiten erweitert (cf. 60 für Testrechnungen in stationären Fall). In
letzter Zeit interessiert mich auch die Kopplung von Strömungen
verallgemeinerter Newtonscher Flüssigkeiten mit elastischen
Strukturen. Solche "Fluid-Structur-Interaction" Probleme treten unter
anderem bei der Modellierung von Blutströmungen in Adern auf. Ein
Teilprojekt im SFB/TR 71 "Geometric Partial Differential Equations"
ist der analytischen und numerischen Untersuchung dieser Problematik
gewidmet.
Elektrorheologische Materialien
Ein weiterer Schwerpunkt meiner gegenwärtigen Forschung, wie auch
schon während meiner Forschungsaufenthalte in Pittsburgh und Ferrara,
ist die Modellierung elektrorheologischer Flüssigkeiten (17, 26, 37, 65, 66, 68) und die
mathematische Behandlung der resultierenden Gleichungssysteme (22, 23, 29, 34, 41, 42, 43, 51, 65, 66, 68). Elektrorheologische Flüssigkeiten ändern
ihre Viskosität in Abhängigkeit von einem äußeren elektrischen Feld.
Dieser Effekt schlägt sich in der Form des Spannungstensors nieder.
Als mathematischer Prototyp dafür kann der stationäre oder
instationäre so genannte p(.)-Laplace-Operator angesehen werden.
Hierbei ist p eine gegebene orts- und zeitabhängige Funktion. In
diesem Zusammenhang eröffnet sich ein weites Feld, sowohl für die
Untersuchung von partiellen Differentialgleichungen mit
p(.)-Struktur, als auch für die Untersuchung von Funktionenräumen mit
variablen Exponenten und auf ihnen definierten Operatoren. Beide
Gebiete erleben momentan eine enorme Publikationstätigkeit. Eigene
Beiträge zu diesem Problemkreis sind, neben den bereits aufgeführten
Arbeiten, in 28, 31, 32, 33, 49, 70 enthalten.
Grenzwerte kompressibler Flüssigkeiten
In 16 gelang erstmals eine konsistente Herleitung
der Boussinesq Approximation, dem Standardmodell für
Konvektionsprobleme. Eine mathematisch rigorose Rechtfertigung
vereinfachter Teilprobleme ist in 24, 36 enthalten. In 55, 56, 59, 61 werden verschiedene inkompressible Modelle
als konstitutive Grenzwerte kompressibler Flüssigkeiten
gerechtfertigt. Dieser mathematisch rigorose Zugang ist durch
Untersuchungen aus der Ingenieursliteratur motiviert. Die Arbeiten 46, 57 enthalten erste
theoretische Resultate für die Boussinesq Approximation zwischen
koaxialen Zylindern.
Regularität der Navier-Stokes Gleichungen
Auf Grund der Skalierungseigenschaften der Navier-Stokes Gleichungen
bestehen Analogien zwischen den $N$-dimensionalen instationären und
den (N+2)-dimensionalen stationären Gleichungen. Für N >2 ist in
beiden Fällen die Regularität und Eindeutigkeit schwacher Lösungen
ein offenes Problem. Für die stationären Gleichungen konnte die
\linebreak Existenz schwacher Lösungen, die zusätzlich eine
einseitige Maximumseigenschaft für den Ruhedruck besitzen, gezeigt
werden (6, 7, 10, 11, 18). Auf Grund dieser Maximumseigenschaft ist
es möglich, lokale Regularität sogenannter schwacher
"Maximumslösungen" zu zeigen (9-11, 18, 19, 63, 64). Diese Ideen konnten in 47 auf die Rothe-Approximation in beliebiger
Dimension angewendet werden. Weiterhin gelang es zum ersten Mal in
der Theorie der Navier-Stokes Gleichungen, ein hinreichendes
Regularitätskriterium anzugeben, welches positive
Skalierungsdimension hat (19). Auch bei der
Lösung eines alten Problems von Leray spielt eine einseitige Schranke
des Ruhedrucks eine entscheidende Rolle. In 14, 15 wurde gezeigt,
dass selbstähnliche Lösungen der instationären Navier-Stokes
Gleichungen, die im Raum Linfty (I;L 3 (
R3)) liegen, notwendig trivial sind.
Modellierung
Die Modellierung neuer Phänomene und
innovativer Materialien im Rahmen der Kontinuumsmechanik ist ein
weiteres Gebiet, dem mein Interesse gilt. In der Zusammenarbeit mit
Ingenieuren und Physikern ergeben sich für beide Seiten neue
Einsichten und Impulse. Es entstehen physikalisch fundierte
Gleichungen, deren mathematische Untersuchungen interessante und neue
mathematische Probleme aufwerfen (cf. multipolare viskoelastische
Flüssigkeiten 2, 4,
62; elektrorheologische Flüssigkeiten 17, 21, 26, 37, 68; Grenzwerte kompresibler Flüssigkeiten 8, 16, 24, 55, 59, 61).
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