Adaptive Löser für degeneriert parabolische Probleme

Phasenübergänge (z.B. fest-flüssig) können durch degeneriert parabolische Gleichungen wie das klassische Stefan-Problem beschrieben werden. In der Arbeitsgruppe werden Fehlerschätzer und adaptive Finite Elemente Methoden für solche Gleichungen entwickelt.

Klassisches Stefan-Problem

Eriksson und Johnson [ErikssonJohnson'91] entwickelten die ersten Fehlerschätzer für Finite-Elemente-Diskretisierung von linearen parabolischen Problemen (wie der Wärmeleitungsgleichung), wobei nur berechenbare Größen wie die berechnete diskrete Lösung eingehen. Diese Methoden wurden von beiden Autoren [ErikssonJohnson'95] und von Verfürth [Verfürth'95] auf Klassen von nichtlinearen parabolischen Gleichungen erweitert. Degeneriert parabolische Probleme wie z.B. das klassische Stefan-Problem

u_t - \Delta \beta(u) = f mit \beta(s) = min(s,0) + max(s-1, 0)

sind dabei jedoch nicht erfasst. Da \beta im ganzen Intervall [0,1] verschwindet, ist die Gleichung nicht gleichmäßig parabolisch, weshalb obige Techniken nicht auf dieses Problem angewandt werden können. In der Arbeitsgruppe wurden adaptive Methoden für degeneriert parabolische Probleme entwickelt. Die Arbeit [NSV'2000] behandelt a-posteriori Fehlerschätzer für das Stefan-Problem, welche obere Schranken für den Temperatur-Fehler in $L^2(L^2)$ und den Enthalpie-Fehler in $L^\infty(H^{-1})$ liefern. Die Methoden basieren auf der Verwendung von (linearen, degenerierten) dualen Problemen. Eine Implementierung der adaptiven Finite-Elemente-Methode in zwei und drei Raumdimensionen wurde vorgenommen, die auf lokalen Verfeinerungen des Gitters durch Bisektion von Gitterelementen (Dreiecken bzw. Tetraedern) beruht. In [NSV'2000] wird die Anwendbarkeit der adaptiven Methode durch numerische Ergebnisse für ein räumlich zweidimensionales Modellproblem demonstriert. Weitere numerische Simulationen in zwei und drei Raumdimensionen werden in [NSV'99a],[NSV'99b] präsentiert.

NSV4_1.gif, 17 kB
Moving interface for a 3D Stefan problem

Continuous Casting

Das Continuous casting Problem ist ein Stefan-Problem mit vorgegebener, dominanter Konvektion und modelliert z.\,B.\ das Strangziehen von Stahl. $L^2$-Methoden führen hier auf eine exponentielle Abhängigkeit der Konstanten im Fehlerschätzer von der Größe der Konvektion. In [CNS'98] werden daher a posteriori Schätzer für die $L^1(L^1)$-Norm des Temperaturfehlers hergeleitet, die nur eine schwache Abhängigkeit von der Konvektion beinhalten. Die Abbildung zeigt den Graph der Temperatur und ein zugehöriges Rechengitter (mit einem vertikalen Zoom um den Faktor 16) aus einer 2D Simulation.

CNS1_1.gif, 17 kB
Temperature graph from a 2D continuous casting simulation

CNS1_2.gif, 5 kB
Corresponding finite element mesh (vertical zoom by factor 16)

Phasen-Relaxationen

Relaxationen des klassischen Stefan-Problems wurden von Visintin vorgeschlagen und theoretisch behandelt [Visintin'85,Visintin'86]. Diese führen zu einem System mit jeweils einer Gleichung für die Temperatur und dem Phasenparameter. Im Gegensatz zum klassischen Stefan-Problem muss die Temperatur an der Phasengrenze nicht gleich der Schmelztemperatur der betrachteten Substanz sein. In [CNS'99] werden a posteriori Fehlerschätzer und eine darauf aufbauende adaptive Finite-Elemente-Methode für diese Probleme entwickelt.


Phase variable isolines for eps=0.1 (top) and eps=0.01 (bottom)