Forschungsgebiet der Arbeitsgruppe Prof. Dr. G. Dziuk

Arbeitsgruppe Prof. Dr. G. Dziuk

Forschungsgebiet:

Theorie und Numerik nichtlinearer partieller Differentialgleichungen aus Physik und Mathematik. Wesentliche Themen sind:

Freie Randwertprobleme:

Krümmungsabhängige Bewegung freier Ränder (Stefan-Problem mit Oberflächenspannung)
Mean Curvature Flow, numerische Berechnung von Viskositätslösungen
Klassisches Stefan-Problem
Degenerierte parabolische Differentialgleichungen (poröse Medien)
Geometrische Variationsprobleme (Minimalflächen, Flächen vorgeschriebener Krümmung)

Inkompressible Navier-Stokes-Gleichungen:

Zeitabhängige Probleme in zwei und drei Raumdimensionen
Effiziente Löser
Strömungen mit freier Oberfläche (Marangoni-Konvektion)

Werkzeuge und Methoden:

Analysis und Numerische Analysis:

Qualitatives Verhalten von Lösungen nichtlinearer partieller Differentialgleichungen, Fehlerabschätzungen für Finite-Elemente-Verfahren (Mean Curvature Flow, freie Randwertprobleme und geometrische Variationsprobleme). Einige der behandelten Probleme besitzen nur sogenannte Viskositätslösungen, die aus geeigneten Regularisierungen hervorgehen.

Selbstadaptive Finite-Elemente-Methoden:

Wichtigstes numerisches Werkzeug der Arbeitsgruppe ist die Verwendung selbstadaptiver Methoden. Diese sind in der Lage, die numerischen Freiheitsgrade optimal zu verteilen und dadurch den numerischen Aufwand drastisch zu verringern. Die fundamentalen Bausteine adaptiver Verfahren sind zum einen Fehlerschätzer bzw. Indikatoren. Diese geben Informationen, welche nur aus der diskreten Lösung und den gegebenen Daten erzeugt werden, über die lokale Größe des Fehlers zwischen diskreter und exakter Lösung. Dadurch wird bestimmt, wie die lokale Feinheit des zugrundeliegenden Rechengitters zu steuern ist. Fehlerschätzer sind durch eine rigorose Analysis mathematisch abgesichert, während Indikatoren zum Teil auf Heuristiken beruhen, da eine Analysis für komplexe und nichtlineare Probleme oft nicht möglich ist. Entwickelt wurden Fehlerschätzer für
allgemeine nichtlineare Probleme, hergeleitet mittels Dualitäts-Techniken,
Außenraumprobleme, welche eine automatische Rechengebietsvergrößerung steuern,
das klassische Zwei-Phasen Stefan-Problem,
die an die Lösung angepaßte Ausrichtung des Rechengitters bei elliptischen Problemen.
Der zweite Baustein für adaptive Verfahren ist eher algorithmischer Natur und besteht aus Algorithmen zur Gittermodifikation. Mit Hilfe dieser Algorithmen werden die Rechengitter lokal verfeinert und vergröbert. Für verschiedene Klassen von Gittern, die den speziellen numerischen Methoden angepaßt sind, wurden solche Tools entwickelt und implementiert (Dreiecks-, Tetraeder-, Rechtecks- und Prismengitter).

Effiziente Löser:

Gerade bei dreidimensionalen Simulationen sind die zu lösenden Gleichungssysteme sehr groß. Daher sind effiziente Löser von großer Bedeutung. Eine wichtige Klasse von Lösern sind die sogenannten Multilevel-Methoden (Mehrgitter, Vorkonditionierer) welche die hierarchische Struktur von (lokal) verfeinerten Rechengittern ausnutzen. Implementiert wurden Löser für lineare und spezielle nichtlineare Probleme.

Adaptive Multilevel-Verfahren:

Design universeller Datenstrukturen und eines Programmierkonzeptes zur Lösung nichtlinearer partieller Differentialgleichungen mit Hilfe von Multilevel-Verfahren. Entwicklung des Finite-Elemente-Pakets ALBERT als flexible Toolbox für Lehre, Forschung und Anwendungen.

Visualisierung:

Benutzerspezifische Datenstrukturen sind i.a. im Hinblick auf die verwendeten numerischen Methoden optimiert. Um Unabhängigkeit von den speziellen Datenstrukturen zu erlangen, wurde eine allgemeines prozedurales Interface zwischen modernen Numerik-Paketen und Visualisierungs-Tools entwickelt. Dieses Interface wurde im Rahmen des Grafikpakets GRAPE implementiert.

Anwendungen:

Kristallwachstum (Simulation von 3 dimensionalen Dendriten)
Simulation von Halbleiterschmelzen (Kooperation mit dem Kristallographischen Institut der Universität Freiburg)
Simulation der Augenlinsenkorrektur durch Laserstrahlen (Kooperation mit Arbeitsgruppe W. Ertmer, Hannover)
"Continuous Casting" bei der Stahlproduktion (Kooperation mit J. Kacur, Bratislava)
Schrödinger-Gleichung

Ein Dendrit ...

Simulation eines wachsenden Dendriten (A. Schmidt)

von Karman'sche Wirbelstraße ...

Strömung hinter einem Hindernis, von Karman'sche Wirbelstraße (E. Bänsch)